"Gemeinsam statt Einsam"

WASSERMENSCHEN  - PIONIERE UND INNOVATOREN DER KLEINWASSERKRAFTBRANCHE

Reinhard Bentz ist Gastwirt der Riedmühle (3822 Karlstein, Riedmühle 60) und Betreiber vom Kraftwerk Riedmühle. Außerdem betreut er noch zwei weitere Kleinwasserkraftwerke im Thayatal. Er ist auch Organ des NÖ Fischereirevierverband II - Kursleiter für Fischereiaufseher. Damit hat er eine sehr umfassende Beziehung zum Gewässer. Nicht zuletzt deshalb war er auch einer der drei Gründer vom Naturschutzverein „Freunde des Thayatales“. Sein jüngstes Projekt ist die Einrichtung eines Wasserkraftmuseums. Wir haben mit dem sehr umtriebigen Wassermenschen ein Gespräch geführt.

 

„FREUNDE DES THAYATALES“ – WORUM HANDELT ES SICH DABEI?

Diesen Naturschutzverein gründeten wir 2004 mit Menschen, die im Thayatal leben und dieses als schützenswerte Lebensgrundlage für Mensch, Flora und Fauna erachten. Unter anderem bemühen wir uns um den Schutz und Erhalt der Ressource „Wasser“ und bekennen uns grundsätzlich zur Erhaltung aller Wehranlagen im Thayatal als Grundwasserspeicher, sowie für die Nutzung durch Kleinwasserkraftanlagen, welche dem Stand der Technik entsprechen.


WOHER KOMMT IHR GROSSES ENGAGEMENT FÜR DIE THAYA?

Es ist ein von Kindesbeinen an gewachsenes Interesse an der Flusslandschaft und dem Element Wasser. Ein naturbewusster Umgang mit dem Gewässer ist mir als Betreiber meiner Kleinwasserkraftanlage im Thayatal und aufgrund meiner Leidenschaft, der Fischerei, ein Anliegen. Meine Tätigkeiten im NÖ Fischereirevierverband II und der Betrieb einer und die Betreuung mehrerer Kleinwasserkraftanlagen im Thayatal erscheinen auf den ersten Blick unvereinbar. Aber wenn man sich mit beiden Seiten intensiv beschäftigt, versteht man, wo der Schuh wirklich drückt und kann mit naturverträglichen Lösungen agieren.


WIE SCHAFFT MAN ES ALLE INTERESSENSGRUPPEN AM FLUSS ZUSAMMENZUBRINGEN?

Gemeinsam statt einsam! Bewohner, Nutzer und andere Interessensgruppen am Fluss müssen zusammengeführt werden und für die gemeinsamen Vorteile einer Bewahrung des Wassers als Lebensgrundlage für Mensch, Flora und Fauna und für verschiedene Zwecke wie Energie, Freizeit und Tourismus sensibilisiert werden. Ein großes Anliegen ist es mir, die Energie von Streit rasch in die Umsetzung von sinnvollen gemeinsamen Projekten zu bringen. Die Natur steht immer im Fokus. Das Ziel sind klassische Win-win Situationen.


MIT WELCHEN HERAUSFORDERUNGEN HABEN DIE FREUNDE DES THAYATALS ZU KÄMPFEN?

Der Kampf ums Wasser hat im Thayatal längst begonnen. In den Dürreperioden 2017/18 wurde hemmungslos Wasser für Bewässerungszwecke entnommen. Bewässerungsbewilligungen ohne Speicherbecken sind sinnlos. Denn wenn eine Beregnung unbedingt erforderlich ist, hält sich auch die Wasserführung im Thayasystem bereits in Grenzen. Ein Mindestmaß an Durchfluss wird für die Aufrechterhaltung der ökologischen Funktionsfähigkeit unumgänglich benötigt (Verdünnung der diversen Kläranlageneinleitungen, etc.). Der Summationseffekt und die Beeinträchtigung fremder Rechte sind bei Bewässerungsprojekten unbedingt zu berücksichtigen (§§ 12 Abs. 2 (E32) u. 30 WRG 1959). Weiters ist zu prüfen, ob sich dieses Projekt mit der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und dem Gewässerbewirtschaftungsplan vereinbaren lässt.  
Die bestehenden Drainagesysteme entsprechen so nicht dem Stand der Technik. Bereits im Frühjahr werden die Böden über die Drainagesysteme entwässert. Dieses Wasser fehlt dann in den trockenen Sommer- und Herbstmonaten. Ein Narr, der dieses dann mit hohem Aufwand durch Bewässerung ergänzt!

 

WIE KAM ES ZUR IDEE DER GRÜNDUNG EINES MUSEUMS, DAS SICH MIT DER GESCHICHTE DER WASSERKRAFT UND ELEKTRIZITÄT IM THAYATAL BEFASST?

Im Zuge der Revitalisierung der Riedmühle kam es zur Idee, alte Anschauungsobjekte vor der Verschrottung zu bewahren. Im Zuge der Eurosolar-Preisverleihung haben wir dann eine temporäre Sonderausstellung gemacht, die später dann zur dauerhaften Ausstellung wurde. Der Grundstock der Sammlung war natürlich schon vorhanden. Er wird nun erfreulicherweise von den Museumsbesuchern noch ergänzt. Besondere Freude kommt auf, wenn wir Schulklassen durchs Museum führen und ihnen die aktive Stromproduktion sowie die Stromgeschichte erklären dürfen - „Als im Thayatal das Licht anging“.


WAS WAREN FÜR SIE PERSÖNLICH DIE GRÖSSTEN UND WICHTIGSTEN VERÄNDERUNGEN IN DER LANGEN GESCHICHTE DER ELEKTRIZITÄT UND WASSERKRAFT?

Für mich persönlich war das Revitalisierungsprogramm für Kleinwasserkraftwerke vom Land NÖ die große Chance, den Standort zu erhalten. In der Region wurden ja unzählige Wasserkraftwerke in der Nachkriegszeit stillgelegt. Umso schöner ist es, wenn das eigene Werk nicht nur überlebt, sondern erneut aufblüht. Die Wiederaufnahme des Stromhandels ist ein weiterer spannender Punkt. Traurig stimmt aber der Klimawandel, welcher innerhalb von wenigen Jahrzehnten mit drastischen Veränderungen gekommen ist, wie etwa der sich ändernden Wasserführung und dem Temperaturanstieg im Thayatal.


WIE VERMARKTEN SIE IHREN STROM?

Von 1924 bis 1942 versorgte meine Urgroßmutter über Lichtgemeinschaften drei Ortschaften mit Wechselstrom, danach übernahmen andere diktatorisch dieses Geschäftsmodell. Nach 77 Jahren ist nun erstmals wieder direkter Kontakt zu Stromkunden und eine Wiederaufnahme des „Ab-Hof-Verkaufs“ von Strom möglich - dank eFriends.


WARUM HABEN SIE SICH FÜR DIESES KONZEPT ENTSCHIEDEN?

Wir wollen etwas für die Zukunft bewegen und unterstützen damit ein junges, äußerst innovatives Unternehmen. Des Weiteren können wir selbst den Strompreis mit unseren Kunden festlegen - unabhängig von Versorgern, die etwas vorschreiben.  Denn ich werde den Marktpreis von 2,3 Cent im Jahr 2016, welcher künstlich von den Energiekonzernen produziert wurde, so schnell nicht vergessen.


GIBT ES FÜR DIE ZUKUNFT BEREITS WEITERE IDEEN UND PLÄNE?

Ich denke, dazu werden uns die Anpassungserfordernisse an den Klimwandel und die sich selbst im Weg stehende Bürokratie noch zur Genüge Ideen abverlangen. Eine Idee wäre sicher, wieder eigene Ortsstromnetze mit erneuerbarer Energieeinspeisung zu betreiben, wie es Energierebellen in Deutschland schon vorgezeigt haben. Das ist derzeit leider noch nicht möglich. Aber eine Vision im freien Markt wäre es allemal!