Revitalisierung KW Göriachbach in St. Andrä im Lungau

Seit 1986 besteht die Kleinwasserkraftanlage Göriachbach in St. Andrä im Lungau (Salzburg) und produziert Ökostrom für mehr als 400 Haushalte. Anlässlich der Wiederverleihung des Wasserrechts wurden der Bau eines neuen Fischaufstiegs und Modernisierungen an der Anlage durchgeführt. Hoher Investitionsbedarf bei niedrigen Einspeisetarifen standen dem Projekt entgegen.

 

Im Jahr 2015 startete die Planungsphase für die Revitalisierung des Kleinwasserkraftwerks Göriachbach in St. Andrä im Lungau. Die im Jahre 1986 errichtete Anlage entsprach nicht mehr dem Stand der Technik und bedurfte einer Erneuerung. Die wasserrechtliche Bewilligung sah damals eine Konsensdauer bis 2016 vor. Für die Wiederverleihung des Wasserrechts wurde die Errichtung einer neuen Fischaufstiegshilfe vorgeschrieben. Der zur damaligen Zeit errichtete Beckenfischpass war aus heutiger Sicht falsch dimensioniert und musste neu errichtet werden. Zusätzlich zur Anpassung der Fischaufstiegshilfe wurde auch eine Anpassung an den Stand der Technik vorgeschrieben und im Zuge dessen eine umfassende technische Revitalisierung der Kleinwasserkraftanlage durchgeführt. Am 14. Juni 2019, dem Tag der Kleinwasserkraft, wurde die Anlage offiziell eröffnet und Interessierten im Rahmen einer Kraftwerksführung vorgestellt.

 

Lohnendes Modernisierungspotential

Die Betreibergesellschaft ÖGAU Strom GmbH startete mit einer Feststellung des Ist-Zustands und der Erhebung des Revitalisierungspotentials das Projekt. Zum alten Kraftwerksbestand zählte eine Ossberger-Durchströmturbine mit zwei Kammern. Das begrenzte Schluckvermögen verbunden mit einem relativ geringen Turbinenwirkungsgrad lies keine bestmögliche Ausnutzung der Wasserkraft zu. Für eine optimale Ausnutzung des gegebenen Wasserkraftpotentials musste die Turbine ausgetauscht werden.

Als Wasserfassung dient dem Kraftwerk eine feste Wehranlage. Der relativ gute Erhaltungszustand dieser Wehr wurde durch fehlende Automatisierung und intensiven Personaleinsatz vor Ort getrübt. Es wurde angestrebt, die handbetriebene Regelung des Schiebers und der Rechenreinigungsanlage in einen automatischen Betrieb, welcher fern überwacht werden kann, zu überführen. Da die Kraftwerksanlage vor der Revitalisierung über keine Fernwartung verfügte, war eine Überwachung des laufenden Betriebs aus der Ferne nicht möglich.

Im guten Zustand befand sich auch die rund 858 m lange Druckrohrleitung. Sie verläuft erdüberdeckt bis zum Krafthaus und konnte von den Baumaßnahmen gänzlich unberührt belassen werden.

 

Bauphase 1: Neue Fischwanderhilfe

Die wichtigste Voraussetzung für die Wiederverleihung des Wasserrechtes stellte die Anpassung des Fischpasses an den Stand der Technik dar. Zwar bestand bereits eine Fischwanderhilfe, diese entsprach aber nicht mehr den aktuellen Vorgaben.

Zur Herstellung der Durchgängigkeit des Göriachbachs wurde also ein Vertical Slot Fischpass mit 18 Becken errichtet. Die Wände und Bodenplatten des Fischpasses sind aus Stahlbeton errichtet, die Unterteilungen und Umlenkungen des Wasserstromes erfolgen mit Holzbohlen. Es ist eine Höhendifferenz von rund drei Metern zu überwinden. Die Höhendifferenz ergibt sich aus dem maximalen Oberwasserspiegel, bei Ausbauwassermenge 1090 m ü.A., und dem minimalen Unterwasserspiegel im Bereich des Auslaufes, 1087 m ü.A. Dafür sind 18 Becken erforderlich. Die Becken besitzen lichte Abmessungen von 2,20 x 1,40 m, eine Wassertiefe im Mittel von 0,585 m und eine Absturzhöhe zueinander von 0,17 m. Dotiert wird der Fischpass mit 127 l/s. Die neue FAH gewährleistet nun eine sicher Passage des Kraftwerks für Fische.

 

Bauphase 2: Revitalisierung

Die zweite Bauphase befasste sich mit den technischen Umbauarbeiten am Krafthaus. Eingebaut wurde eine neue Diagonalturbine von der Firma Geppert samt neuem Hydraulikaggregat, neuem Generator und neuer Schaltanlage zur Fernwartung. Der Umbau des bestehenden Krafthauses auf die neue maschinelle und elektrotechnische Ausrüstung wurde mit einer Steigerung des Gesamtwirkungsgrades auf 88 % belohnt.

 

Neben einer neuen Schaltanlage im Krafthaus und der Wehranlage zur Fernwartung wurde auch die alte störungsanfällige Steuerleitung zur Datenübertragung zwischen Krafthaus und Wehranlage durch ein Powerline-Fernwirksystem ersetzt. Ergänzend dazu sorgen die neu errichtete hydraulische Rechenreinigungsanlage sowie hydraulische Schieber für einen vollautomatisierten und wartungsarmen Betrieb der Anlage. Dadurch wird ein optimaler und unterbrechungsarmer Betrieb gewährleistet.

 

Durch den besseren Wirkungsgrad aufgrund der technische Neuausrüstung der Anlage und die Erhöhung der Konsenswassermenge von 1,8 m³/s auf 2,1 m³/s konnte eine Steigerung der Engpassleistung um über 15 Prozent erzielt werden. Künftig kann damit ein Regelarbeitsvermögen von durchschnittlich 1,8 Mio. kWh jährlich erzielt werden, was dem Stromverbrauch von mehr als 500 Haushalten entspricht.

 

Zur Sicherung der ökologischen Qualität der Restwasserstrecke wird eine gestaffelte Restwasserabgabe in Höhe von 300 l/s von April bis einschließlich November sowie 150 l/s von Dezember bis einschließlich April eingehalten.

 

Finanzielle Crux

Die Errichtung der neuen Fischauftstiegshilfe sowie die Revitalisierungsarbeiten waren mit entsprechend hohem finanziellen Aufwand verbunden, welcher dem Kraftwerksprojekt von Anfang an entgegenstand. Während der Planungsphase bestand für den Bau einer neuen Fischaufstiegshilfe noch die Möglichkeit auf eine UFG-Förderung. Durch diese Förderung, für welcher aktuell leider keine Mittel mehr zur Verfügung stehen, konnte die Finanzierung der kostspieligen Fischwanderilfe gewährleistet werden. Die Kosten für die Herstellung der Durchgängigkeit in der Höhe von knapp  200.000,- Euro konnten mithilfe dieser Förderung von Bund und Land Salzburg um rund ein Drittel gesenkt werden. Für die maschinellen und elektrotechnischen Maßnahmen wurden in Summe weitere  600.000,- Euro investiert. Für die damit erzielte Steigerung der Engpassleistung wurde die dreizehnjährige Tarifförderung der OeMAG beantragt und bewilligt.

 

Angesichts niedriger Strompreise in der Planungs- und Bauphase haben die Fördermittel einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Finanzierung des gesamten Projekts dargestellt. Dennoch stellt die Refinanzierung der Investitionen nach wie vor eine wirtschaftliche Herausforderung für die Betreibergesellschaft dar.

 

Technische Kenndaten: KW Göriachbach

Betreiber: ÖGAU Strom GmbH

Besteht seit: 1986

Ausbauwassermenge Q: 2,1 m³/s

Bruttofallhöhe H: 31,4 m

Turbine: Geppert Diagonalturbine (Type Diagonal-Turbine DH-71)

Turbinenleistung PT: 537 kW

Generatorleistung PG: 519 kW

Gesamtwirkungsgrad: 88 %

Regelarbeitsvermögen RAV: 1,8 Mio. kWh

FAH-Typ:Vertical-Slot mit 18 Becken Dotierung: 127 l/s

Restwassermenge: Gestaffelt: 300 l/s (Apr. – Nov.) bzw. 150 l/s (Dez. – Apr.)