Gesellschaft und Umwelt

Die Kleinwasserkraft trägt mit ihrer Stromerzeugung einen wesentlichen Teil zur Erreichung von Klimazielen in Österreich bei. Doch oftmals kommt es zu verschiedenen Interessenskonflikten und Meinungsunterschiedenheiten, welche dann an die jeweiligen Situationen angepasst werden müssen und Kompromisse eingegangen werden müssen.

Gibt es Abschätzungen zum "CO2-Fußabdruck" von Kleinwasserkraftwerken?

Der Betrieb eines Kleinwasserkraftwerks verläuft praktisch vollständig emissionsfrei. Trotzdem fallen im Zuge eines Neubaus oder einer Revitalisierung, zum Beispiel durch eine größere Menge an verbautem Beton, einmalig Emissionen an. Für die Kleinwasserkraft belaufen sich diese allerdings nur auf ungefähr 11,6 g CO2/kWh und sind somit verschwindend gering, vor allem wenn die Lebensdauer von bis zu 100 Jahren in Betracht gezogen wird. Kleinwasserkraft übernimmt also eine Vorreiterrolle in Sachen nachhaltiger Stromgewinnung und ist somit als erneuerbare Energiequelle zur Erreichung der österreichischen Klimaziele nicht wegzudenken.

 

Gibt es Abschätzungen zum Wasserfußabdruck von Kleinwasserkraftwerken?

Ein weiterer Vorteil erneuerbarer Technologien gegenüber fossilen und atomaren Energieträgern ist der sehr geringe Wasserverbrauch. So kommen Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke allein wegen ihrer Kühlsysteme auf 2,5 bis 3,0 l/kWh, ihre lange Produktionskette noch nicht miteinbezogen. Bei der Wasserkraft hingegen wird während der Stromproduktion die Ressource Wasser zwar genutzt aber nicht verbraucht oder verschmutzt. Für den Wasserfußabdruck kommt daher nur das verbrauchte Wasser bei Produktion und Entsorgung der Anlage in Frage (Turbinenherstellung, Bau des Kraftwerkshauses und dessen Betonmenge...). Alles in allem beläuft sich bei der Wasserkraft der Wasserverbrauch auf unter ein zehntel Liter pro Kilowattstunde. Die effiziente heimische Produktion von Anlagenteile und das sehr gute Recycle Management in Österreich lassen wohl auf einen noch weit besseren Wasserfußabdruck für die österreichische Kleinwasserkraft vermuten. Die Erzeugung von Strom aus Wasserkraft hat sich im Umgang mit Wasser sogar als die sauberste und schonendste aller Energieformen herausgestellt.

Wie steht die österreichische Bevölkerung zur Kleinwasserkraft?

Aus der heuer bereits zum fünften Mal durchgeführten Studie „Erneuerbare Energien in Österreich – Der jährliche Stimmungsbarometer der österreichischen Bevölkerung zu erneuerbaren Energien“ geht hervor, dass die österreichische Bevölkerung den Erneuerbaren Energien gegenüber positiv eingestellt ist mit einer konstant hohen Zustimmung von 77% unter den Befragten. Die Kleinwasserkraft im Speziellen erfreut sich im nationalen Schnitt weiterhin großer Beliebtheit mit 74% Zuspruch, obwohl es im Bundesländervergleich Unterschiede gibt (siehe Grafik). Bei den jungen Erwachsenen fällt sowohl die Zustimmung zu allen Erneuerbaren Energietechnologien generell mit 82% als auch zur Kleinwasserkraft mit 84% besonders hoch aus. Die Ergebnisse dieser aktuellen Studie zeigen deutlich, dass es seitens der österreichischen Bevölkerung durchaus Rückenwind für die Erneuerbaren Energien und aktiven Klimaschutz gibt. Besonders die Kleinwasserkraft genießt immer noch eine hohe Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung.

 

Wer sind die EigentümerInnen von Kleinwasserkraftwerken?

Die Kleinwasserkraftwerke in Österreich sind zu einem großen Teil in der Hand von privaten Personen, die meist nur ein einziges Kleinwasserkraftwerk betreiben und warten. Das geht aus der Betrachtung der Mitglieder des Vereins Kleinwasserkraft Österreich hervor, bei der ersichtlich wird wie viele Kleinwasserkraftwerke pro Person oder Betrieb angemeldet sind. Neben Privatpersonen gibt es auch zahlreiche kleine Handwerks- und Industriebetriebe in Österreich, die ein eigenes Kleinwasserkraftwerk betreiben und so ihren Betrieb mit Ökostrom direkt an der Quelle versorgen. Auch die EVUs besitzen fast alle Kleinwasserkraftwerke. Das häufig genannte Argument, demnach von Kleinwasserkraftwerken nur einige wenige Personen mit jeweils vielen Kleinwasserkraftwerken in ihrem Besitz profitieren stimmt also nicht.

Wie viel Müll wird durch Kleinwasserkraftwerke aus den Gewässern entfernt?

Kleinwasserkraftwerke können durch die Entfernung von Siedlungsabfällen einen wesentlichen Beitrag zur Reinhaltung von Gewässern leisten. In den Rechen der Kleinwasserkraftwerke sammeln sich neben Laub, Ästen und Baumstämmen regelmäßig auch große Mengen an Zivilisationsmüll an. Dieser würde ohne die Anlagen ungehindert mit dem Flussverlauf weitertransportiert werden und sich an den Ufern ansammeln oder am Ende ins Meer gelangen. Obwohl die KraftwerksbetreiberInnen nicht Verursacher dieser Umweltverschmutzung sind, müssen sie dennoch in vielen Fällen für die Kosten der Entsorgung aufkommen. Die Entnahmemenge für alle Wasserkraftwerke in Österreich zusammen wird dabei auf 250.000 m³ Treibgut geschätzt, was in etwa 2.500 vollen LKW-Ladungen (Typ „Mega Trailer“) entspricht. Diese Menge variiert allerdings mit der Wasserführung – bei höherer Wasserführung fällt in der Regel auch mehr Treibgut an.

 

© Christian Weiß