Wasserkraft-international

Die weltweit größte Quelle für Strom aus erneuerbare Energie

English

Die weltweite Wasserkraftnutzung

Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt, einer Ressource, die seit vielen Jahren energetisch genutzt wird. Der Gebrauch der Wasserkraft erlebte eine fortwährende technische Entwicklung und ist derzeit hinter der festen Biomasse die am zweitstärksten genutzte erneuerbare Energiequelle der Welt.

Wasserkraft leistet den größten Anteil an der erneuerbaren Elektrizitätsgewinnung: 16,6 Prozent der weltweiten Stromversorgung und 92 Prozent der erneuerbaren Stromerzeugung stammen aus Wasserkraft (Quelle: IEA 2003).

Es gibt keine international einheitliche Definition von Kleinwasserkraftwerken. In China sind damit Kraftwerke mit einer Engpassleistung von bis zu 25 MW gemeint, in Indien jene mit einer Leistung bis zu 15 MW und in Schweden versteht man unter Kleinwasserkraftanlagen jene mit einer Engpassleistung von bis zu 1,5 MW. Generell werden jedoch Anlagen mit einer Leistung von bis zu 10 MW allgemein als Kleinwasserkraft akzeptiert (Norm durch ESHA, EU-Kommission und UNIPEDE – Internationale Vereinigung von Erzeugern und Verteilern der Elektrizität).

In Asien, besonders in China, nimmt die Energiegewinnung aus Wasserkraft eine immer bedeutendere Rolle ein. In Kanada hat die Wasserkraftnutzung eine lange Tradition. Kleine Wasserkraftanlagen dienen dort als Ersatz für teure Dieselgeneration in entlegenen Gebieten. Märkte wie Südamerika, die ehemalige Sowjetunion und Afrika besitzen noch ein großes, ungenutztes Wasserkraftpotenzial. Im Jahr 2000 lag die weltweit installierte Kapazität im Bereich der Kleinwasserkraft bei ungefähr 37 GW, wobei vor allem in China eine deutliche Zunahme zu erwarten ist.

Kleinwasserkraft in Europa

Der europäische Rechtsrahmen

Zwei EU-Dokumente haben in Europa der Entwicklung der Energiegewinnung aus Kleinwasserkraftanlagen zu einem bedeutenden Aufschwung verholfen:

  • Weißbuch der EU-Kommission für eine Gemeinschaftsstrategie und einen Aktionsplan mit dem Titel: „Energie für die Zukunft: Erneuerbare Energieträger“ (1997)

  • Richtlinie 2001/77/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. September 2001 zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen im Elektrizitätsbinnenmarkt

Beide geben ein klares Signal, dass die Nutzung erneuerbarer Energieressourcen von hoher Wichtigkeit ist. Durch ihren Beitrag zum Klimaschutz und zur Versorgungssicherheit sind sie ein Eckpfeiler für die Schaffung eines nachhaltigen europäischen Energiesystems.

Das Weißbuch setzte das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energie in der EU bis 2010 von 6 auf 12 Prozent zu erhöhen, 22,1 Prozent davon im Bereich der Elektrizitätserzeugung. Gemäß der Richtlinie 2001/77/EG sollen bis 2010 im Bereich der Elektrizitätserzeugung in den EU-15 22 Prozent aus erneuerbaren Ressourcen stammen, in den neuen Mitgliedsstaaten (EU-10) 11 Prozent. Von speziellem Interesse für Europa, sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus ökologischen Gründen, ist bei der Umsetzung dieser europäischen Richtlinie die Nutzung des hohen Potenzials der Wasserkraft durch Neubau und die Revitalisierung bestehender Kleinwasserkraftwerke. 70 Prozent der gegenwärtigen Wasserkraftanlagen in Europa sind mehr als 40 Jahre alt.

Kleinwasserkraft in Europa in Zahlen

Gemäß einer Studie der ESHA (European Small Hydropower Association) aus dem Jahr 2004 waren zu diesem Zeitpunkt in den EU-15 ungefähr 14.000 Kleinwasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 10.000 MW in Betrieb. Sie liefern eine Jahresproduktion von etwa 40.000 GWh. In den neuen Mitgliedsstaaten (EU-10) gibt es zirka 2.800 Kleinwasserkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 820 MW und einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 2.300 GWh. In den Beitrittsländern (CC) sind es etwa 400 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 600 MW und einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 1.400 GWh. Die durchschnittliche Leistung der einzelnen Anlagen liegt in den EU 15 bei 0,3 MW, in den neuen Mitgliedsstaaten bei 0,3 MW und in den Beitrittsländern bei 1,6 MW. Gemäß Eurostat-Zahlen des Jahres 2002 war in Italien mit 21 Prozent der größte Anteil der Kleinwasserkraft-Gesamtleistung der EU-25 installiert, gefolgt von Frankreich mit 17 Prozent und Spanien mit 16 Prozent. Von den neuen Mitgliedsstaaten sind Polen und Tschechien mit jeweils 2 Prozent der gesamten EU-25-Kleinwasserkraftleistung führend.

Wasserkraft hat einen Anteil von ungefähr 80 Prozent an der Elektrizitätserzeugung aus erneuerbaren Ressourcen in Europa und einen Anteil von 19 Prozent an der Gesamtelektrizitätsproduktion in Europa. Der Anteil von Kleinwasserkraft an der Stromerzeugung in Europa liegt bei zirka 3 Prozent und verfügt noch über ein großes Potenzial, sowohl durch Neubau als auch durch Revitalisierung.

Gemäß dem RES EU-Exportgesamtplan 2002 liegt das europäisch wirtschaftlich erhebbare Potenzial bei etwa 250 TWh pro Jahr, was einer Leistung von 55 GW entspricht. Ein weiterer Anteil von 450 TWh pro Jahr bzw. einer Leistung von 100 GW scheint derzeit technisch, jedoch nicht wirtschaftlich realisierbar.

Wirtschaftsfaktor Kleinwasserkraft in Europa

Europa hat eine führende Position im Bereich der Wasserkrafttechnologie. Ein wichtiger Grund für diese Überlegenheit ist Europas starker Innenmarkt. Europäische Firmen haben für viele technische Entwicklungen in diesem Bereich den Weg bereitet und in den letzten Jahren den internationalen Markt beherrscht. Nach einer Schätzung der ESHA arbeiten daher in den EU-15 zirka 10.000 Personen direkt oder indirekt im Bereich der Kleinwasserkraft. Vorhersagen des EREC (Europäischer Erneuerbarer Energierat) gehen davon aus, dass die europäische Beschäftigung im Kleinwasserkraftbereich in naher Zukunft bei 15.000 bis 28.000 Arbeitskräften liegen kann.